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| Die Renaissance des Varietés | ||||
Wer wollte es noch bestreiten: Das Varieté ist zurückgekehrt in die kulturellen Mittelpunkte
der Städte, hat wieder Anteil am urbanen Vergnügungsleben, bietet den Flaneuren
der Nacht wieder Gelegenheit zum geselligen Müßiggang. Nach über dreißigjähriger
Pause - verursacht durch die Folgen des Krieges und die Abwanderung der Besucher
zum neuen Unterhaltungsmedium Fernsehen - finden sich in wachsender Zahl wieder
Besucher vor den Bühnen des Amüsements ein. Staunend bewundert man erneut die unglaublichen Fertigkeiten | gemut eins mit
dem sicheren Umstand, dass es jenseits der Darbietungen keine dramatischen Zusammenhänge
zu ermitteln gibt. Zwei Stunden gilt für den Zuschauer nur der Augenblick,
das Jetzt und Heute. Affekte pur wollen angesprochen sein: Lachen, Rührung
und Spannung. Der vergnügliche Kosmos des Varietés ist die durchtriebene Oberfläche,
die scheinbar naive Lust am unmittelbaren Abglanz, die lustige Spiegelung diesseits
der Brüche und Charaktere. Man sitzt an kleinen Tischchen, trinkt und isst eine Kleinigkeit, und plaudert ausgelassen in heiterer Runde. Man kommt allein, mit der Familie oder den Geschäftspartnern und gönnt sich einen vergnüglichen Abend im geselligen Ambiente. Im Varieté finden sich zusammen, die im gesellschaftlichen Leben so häufig getrennt sind: die Banker und die Spontis, die Politiker und die Bürger, die Jungen und die Alten, die Künstler und Normalos. | |||