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La Luna GOP
Schubeck's Fantasia

Die Renaissance des Varietés

Das Varieté ist zurückgekehrt in die kulturellen Mittelpunkte der Städte, hat wieder Anteil am urbanen Vergnügungsleben, bietet den Flaneuren der Nacht wieder Gelegenheit zum geselligen Müßiggang. Nach über dreißigjähriger Pause - verursacht durch die Folgen des Krieges und die Abwanderung der Besucher zum neuen Unterhaltungsmedium Fernsehen - finden sich seit den späten 1980er Jahren in wachsender Zahl wieder Besucher vor den Bühnen des Amüsements ein.

Staunend bewundert man erneut die unglaublichen Fertigkeiten der Körperkünstler, folgt verzaubert den kraftvoll, eleganten Adagio-Bewegungen der Hebeakrobatik, legt atemlos den Kopf in den Nacken bei den luftigen Schwüngen der Trapezdarbietung, blickt verzaubert dem unentwegten Flug der jonglierten Bälle, Keulen und Ringe nach, rätselt über die immer wieder verblüffenden Tricks der Magier und Illusionisten, bricht in tosendes Gelächter aus bei den Späßen der Clowns und Comedians und weiß sich wohlgemut eins mit dem sicheren Umstand, dass es jenseits der Darbietungen keine dramatischen Zusammenhänge zu ermitteln gibt. Zwei Stunden gilt für den Zuschauer nur der Augenblick, das Jetzt und Heute. Affekte pur wollen angesprochen sein: Lachen, Rührung und Spannung. Der vergnügliche Kosmos des Varietés ist die durchtriebene Oberfläche, die scheinbar naive Lust am unmittelbaren Abglanz, die lustige Spiegelung diesseits der Brüche und Charaktere.

Man sitzt an kleinen Tischchen, trinkt und isst eine Kleinigkeit, und plaudert ausgelassen in heiterer Runde. Man kommt allein, mit der Familie oder den Geschäftspartnern und gönnt sich einen vergnüglichen Abend im geselligen Ambiente. Im Varieté finden sich zusammen, die im gesellschaftlichen Leben so häufig getrennt sind: die Banker und die Spontis, die Politiker und die Bürger, die Jungen und die Alten, die Künstler und Normalos.

„Sanftes Nachtleben“ hieß diese Art Entertainment in Frankfurt/Main, als 1988 der Tigerpalast als erste Neugründung hervortrat. Seither machen Johnny Klinke, Margareta Dillinger und Robert Mangold auf kleinstem Raum Varieté für die Frankfurter Region, kraftvoll in der Artistik, klar in der Bildersprache und überzeugend in der Öffentlichkeit.

Das Varieté war plötzlich wieder en vogue, war Thema der großen Zeitschriften, rückte zur Berichterstattung auf in die gehobenen Feuilletons. Ein Boom setzte ein, der bis zur Jahrtausenwende anhalten sollte. Nach ersten Anfängen in der Berliner Scheinbar 1986 und dem Sonntags-Varieté im Neuen Theater Frankfurt-Höchst kam 1990 als erste Spielstätte, die kontinuierlich artistische Programme bot, das Berliner Quartier hinzu, das von den früheren Sponti-Kabarettisten „Die 3 Tornados“ geleitet wurde. Wie Klinke und Dillinger gehörten Holger Klotzbach, Arnulf Rating und Günter Tews zur links-alternativen Szene der Stadt und gaben ihrer neuen Spielstätte ein dementsprechendes Programmprofil. Vertraute man in Frankfurt auf die Kraft der traditionellen Körperbilder, so suchte man in Berlin die Durchmischung der Szenen: tingelnde Kneipensänger neben Off-Stars wie Georgette Dee, schräge Nachwuchsartisten neben Klassikern wie dem alten Borra.

1991
1991 folgte das Chamäleon in den zu jener Zeit noch heruntergekommenen Hackeschen Höfen. Hacky Ginda, Peter Rose, die Musiker der Lonely Husband, alles Artisten vom früheren Reise-Varieté Parody Paradies, und einigen Anderen gelang gleichsam auf Anhieb auf wundersame Weise die Verbindung von klassischen artistischen Bildern, der postmodernen Ironie der jungen Künstler und der aufstrebenden Comedy-Szene. Sie setzten fort, was im Quartier ästhetisch vorgelebt worden war und schließlich doch nicht vollendet werden konnte.

1992
1992 gründeten Otfried Stanzel, Ronny und Silvia Cabello, Jörg Richter und Tseng Hai sowie Maggy Sun das Reise-Varieté et cetera und traten damit die Nachfolge des aufgelösten Unternehmens Parody Paradies an. Ihre Routen führten sie in den folgenden Jahren durch die ganze Republik und kündeten von einem artistischen Vergnügen abseits der circensischen Darbietung, auch wenn es im Zelt stattfand. Im selben Jahr folgten das GOP-Varieté in Hannover (heute unter der künstlerischen Leitung von Werner Buss) und der Wintergarten in Berlin (heute unter der Leitung von Georg Strecker), beide erstmals mit ihrem Namen an die große Varietétradition der jeweiligen Städte anknüpfend (beim GOP sogar in den alten Räumlichkeiten).

Die konzeptionelle Prägekraft der vorangegangenen Varietéeröffnungen erwies sich dabei als so stark, dass dennoch kein Gedanke von Nostalgie auftrat. Der Wintergarten, der in die verwaiste Spielstätte des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Quartiers eingezogen war und von Peter Schwenkow geführt wurde, verband zudem in den ersten Jahren als künstlerische Leiter die Ahnherren des neuen Circusses in Deutschland: Bernhard Paul und André Heller. Schwenkow, Paul und Heller setzten gegen die postmoderne Ironie des Chamäleons das vornehmere Ambiente ihres Hauses sowie die leistungsstärkeren Artisten. „Dem Staunen gewidmet“, wie eine Inschrift im Eingangsbereich lautet, gibt das Motto vor.

1993
1993 eröffnete das Luna-Varieté in Dortmund seine Pforten in einem ehemaligen Kino. Zum ersten Mal nahm damit ein Varieté im Rhein-Ruhr-Gebiet die große Varietétradition dieser Region wieder auf.

1994
1994 erhielt auch Stuttgart erneut ein Varieté, den Friedrichsbau, eine Dependance des Berliner Wintergartens von stolzer Eleganz, die von Gabriele Frenzel geleitet wird. Auch in Stuttgart legte man sich den örtlich glanzvollsten Traditionsnamen zu, ohne räumlich und inszenatorisch mit dem früheren Prachtbau verglichen werden zu wollen.

1995
Im September 1995 suchte man auch in München den Anschluss an das boomende Varieté und eröffnete im traditionsreichen bayerischen Volkstheater Platzl eine artistische Spielstätte unter dem Namen Platzl´s Theaterie. Anfangsschwierigkeiten verhinderten den Erfolg. Nach nur zehn Monaten gaben die Betreiber wieder auf.

1996
1996 kam zunächst der Starclub in Kassel hinzu, ein Unternehmen unter der Leitung von Götz Ohlendorf, das für einige Jahre auf kleinster Bühne wahrlich erstaunliche Künstler präsentierte; es folgte ein zweites GOP, dieses Mal in Essen, eine Dependance des gleichnamigen Theaters in Hannover, und das Varieté Pegasus im beschaulichen Bensheim, dessen Einwohner seither dem geflügelten Ross den Besuch einer Reihe hochkarätiger Artisten verdanken.

1997
1997 eröffneten der Krystallpalast in Leipzig, eine mutige Neugründung im Herzen der Stadt und die erste neue Artistenbühne im Osten (heute unter der Leitung von Rüdiger Pusch), und Roncalli´s Apollo-Theater in Düsseldorf. Das Apollo unter der Geschäftsführung von Thomas Schütte knüpft wie schon andere Bühnen zuvor an große Vorläufer in der Stadt an. Bis 2003 war es ein Gemeinschaftsunternehmen des Circus Roncalli und der Deutschen Entertainment AG. Seither wird es allein von Roncalli betrieben. Es ist - und das ist für die Entwicklung der Varietészene gar nicht hoch genug einzuschätzen - der erste komplette Neubau, der ausschließlich für die Belange eines Varietébetriebes errichtet wurde. Zum ersten Mal nach mehr als sechs Jahrzehnten war wieder eine Spielstätte speziell für die Artisten entstanden.

1998
Im Frühjahr 1998 eröffnete der Seidenfaden im Innenstadtbereich von Krefeld. Mit geringen Mitteln wurde ein ausgedienter Kinosaal zum Varieté umgewidmet. Mit dem Namen erinnerten die Betreiber an die große Varietétradition der Stadt.

Im Herbst des Jahres war Premiere im Varieté Palast in Speyer unter der Direktion von Karl Ziellenbach, der schon zuvor ein reger Organisator von artistischen Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz gewesen war. Das Theater war als Dinnerbetrieb konzipiert und hatte die einmalige Möglichkeit, in den heißen Sommermonaten den angrenzenden Garten mit speziellen Open-Air-Programmen zu bespielen.

Dinnerprogramme boten darüber hinaus verstärkt saisonal arbeitende Spiegelzelte, die jeweils zum Jahreswechsel für einige Wochen oder Monate an unterschiedlichen Orten gastierten. In Freiburg eröffnete im November das Palazzo, das unter der Leitung von Clemens Zipse in den kommenden Jahren die Zahl der Spielorte und die Dauer der Standzeiten erheblich ausweiten konnte.

1999
1999 ließ sich das Varieté et cetera fest in Bochum nieder, wechselt seither häufiger als früher die Programme, verzichtet aber im Sommer nicht darauf, weiterhin an der Ostsee kleinere Tourneen mit einem Zweitzelt zu unternehmen.

Ebenfalls 1999 eröffnete ein zweiter Starclub in Fulda, eine Dependance des Kasseler Unternehmens, das im Untergeschoss eines Neubaus am Rande der Fuldaer Altstadt lag und aufgrund der gemeinsamen Direktion von den Programmerfahrungen in Kassel profitierte.

Auf Initiative von Wolfgang Jansen schlossen sich im Herbst des Jahres die Varietés zur „Varieté-Konferenz“ zusammen.

2000
Im Sommer 2000 erhielt zunächst der Krefelder Seidenfaden (der inzwischen zu Seidenstern umbenannt worden war) einen neuen Besitzer, der die Spielstätte in Burbach Varieté umtaufte.

Im September nahmen ein drittes GOP in Bad Oeynhausen unter der Leitung von Ingo Hagemann (heute Martina Theel) und im Dezember das Roland Frosch Varieté in Münster unter der Direktion von Alfred Schantz und Hildegard von Meerscheidt-Hüllessem ihren Betrieb auf. Das GOP ist prachtvoll gelegen im ehemaligen Kurhaus der Stadt, umrahmt von einer Parkanlage, und innenarchitektonisch in typisch wilhelminischer Stuckatur gehalten. Durchaus treffend taufte man demzufolge das Haus auch in Kaiserpalais um, in dem nun außer dem GOP-Varieté zwei Restaurants und eine Diskothek untergebracht sind. Das Roland Frosch Varieté, dessen künstlerische Leitlinien von Hacky Ginda, dem Mitbegründer des Berliner Chamäleons, bestimmt wurden, entstand nach einem aufwendigen Umbau aus einem Kino und ist verkehrsgünstig unmittelbar am Hauptbahnhof gelegen.

2001
Mit dem Jahr 2001 setzten drei Jahre ein, die unter einem eher ungünstigen Stern standen. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, die durch die Währungsumstellung, die Folgen des 11. September und eine mangelnde Kaufkraft in Deutschland bestimmt wurden, dämpften den bislang ungebrochenen Aufstieg des neuen Varietés spürbar.

Im Januar schloss Burbachs Varieté die Pforten. Ein neuer Betreiber fand sich nicht mehr. Zum Ende des Jahres gab zudem das ehrwürdige Hamburger Hansa-Theater auf. Es war die einzige deutsche Varietébühne, die seit Ende des 19. Jahrhunderts ununterbrochen artistische Aufführungen geboten hatte. Neue Steuergesetze ließen den Betrieb nicht länger sinnvoll erscheinen. Zwar öffnete in Bielefeld im Oktober noch das Skala Varieté. Doch die Zahl der Besucher blieb hinter den Erwartungen zurück.

Die Zahl der Spiegelzelte nahm hingegen weiter zu. Der angesehene Koch Eckart Witzigmann stellte zum Jahresende seine Fähigkeiten erstmals in den Dienst der Dinnershow Eckart Witzigmann Palazzo, die sich mit ihm als Patron erfolgreich etablieren konnte. Clemens Zipse gastierte in Basel und damit erstmals außerhalb Deutschlands. Sein Palazzo Colombino fand bei den Schweizern so großen Anklang, dass er seither jedes Jahr wieder anreist.

2002
Erstmals seit 1986 gab es im Jahr 2002 keine Premiere eines neuen Varietés. Darüber hinaus erwies sich das durchschnittliche Zuschaueraufkommen in Bielefeld als so gering, dass die Direktion des Skala Varietés im Mai Insolvenz anmelden musste.

2003
Der Trend setzte sich im Jahre 2003 fort. Im Januar meldeten die Starclubs in Fulda und Kassel Insolvenz an. Während das Theater in Fulda bis zum Herbst geschlossen wurde, blieb der Spielbetrieb in Kassel nicht nur weiter aufrechterhalten, sondern das Unternehmen konnte sogar im November 2003 ein neues Domizil in der belebten Kurfürstengalerie beziehen. Im Juni bekannte das Berliner Chamäleon seine Zahlungsunfähigkeit, konnte aber die eingeleitete Insolvenz im letzten Moment noch abwenden. Nur vier Wochen später schloss das Luna-Varieté in Dortmund seine Pforten.

Im Herbst des Jahres löste sich die „Varieté-Konferenz“ auf. Die Spielstätten gründeten stattdessen den VDVT, den Verband Deutscher Varieté Theater. Zum ersten Präsidenten wurde Wolfgang Jansen gewählt.

2004
Höhepunkt der wirtschaftlichen Krise bildete das Jahr 2004: Im März musste das Chamäleon endgültig Insolvenz anmelden. Der Starclub in Fulda schloss vorzeitig im April die Wintersaison, um im Herbst nicht wieder eröffnet zu werden. Im Mai erwischte es das Roland Frosch Varieté in Münster, im Juni den Pegasus in Bensheim und den Varieté Palast in Speyer. Während im Pegasus erst einmal der Spielbetrieb fortgesetzt wurde, übernahm das Chamäleon eine neue Betreibergesellschaft, die es im September mit einem neuen Konzept eröffnete.

2005
Die Talsohle der Entwicklung scheint durchschritten zu sein. Die positiven Anzeichen für eine Neubelebung der Branche mehren sich. In Bensheim übernahm eine neue Gesellschaft das Theater und eröffnete den Spielbetrieb im September. Als künstlerischen Leiter verpflichtete man den ehemaligen Direktor des Varieté Palastes in Speyer, Karl Ziellenbach. Auch das Roland Frosch erhielt einen neuen Besitzer. Es wurde dem Verbund der GOPs eingegliedert und feierte ebenfalls im September seine Premiere. Schließlich wird zum ersten Mal seit Jahren sogar eine komplette Neueröffnung vorbereitet. Die holländisch/deutsche Stage Entertainment, die ihren Schwerpunkt bislang im Musicalgeschäft hatte, hat im November in Hamburg erstmals ein Varieté eröffnet, das Kehrwieder.

2006
Es geht wieder aufwärts. Das GOP in Münster kann sich erfolgreich gegen das zuletzt schlechte Image des Vorbesitzers behaupten. Auch das Chamäleon stabilisiert sich erneut unter dem Direktor Volker Brümmer. Im Pegasus wechseln zwar mehrfach die beteiligten Personen, doch bleibt das Haus dem Varieté erhalten. Auch im Kehrwieder wird das leitende Personal ausgetauscht, ohne dass dadurch der Spielbetrieb beeinträchtigt wird. Nicht zuletzt nimmt die Bedeutung der Spiegelzelte mit artistischen Dinnershows zu. Ihre Besitzer gehen zunehmend dazu über, nicht länger nur saisonal in unterschiedlichen Städten zu gastieren, sondern ganzjährig zu spielen. Das Eckart Witzigmann Palazzo stellte seinen Betrieb zwar ein, doch starteten er und Circus Roncalli-Direktor Bernhard Paul im Herbst das gemeinsame Projekt Witzigmann & Roncalli Bajazzo. Gleich mit vier Spiegelzelten eröffneten sie ihre erste Saison in Hamburg, Köln, Frankfurt und München.

2007
Die Stage Entertainment verliert ihr Interesse am Kehrwieder im Hamburger Hafen. Am 25. Februar 2007 wird der Spielbetrieb eingestellt und das Theater anderweitig für interne Zwecke genutzt. Im April erhält der Berliner Wintergarten einen neuen Besitzer. Die Deutsche Entertainment AG von Peter Schwenkow, zu der auch der Friedrichsbau in Stuttgart gehört, verkauft das Unternehmen an den bisherigen Direktor Georg Strecker und seinen Partner Frank Reinhardt (einem ehemaligen Mitarbeiter der DEAG). Man plant eine völlige Neuausrichtung der Programme. Im Sommer fällt nach drei erfolgreichen Jahren in Berlin der letzte Vorhang bei Pomp Duck & Circumstance. Das Spiegelzelt zieht nach Stuttgart um und eröffnet im Herbst 2007.

2008
Anfang März 2008 meldet die Betreibergesellschaft von Witzigmann & Roncalli Bajazzo überraschend Insolvenz an. Nach gerade einmal zwei Spielzeiten kommt das Ende für alle vier Standorte. Bei den Palazzos kommt es im Frühjahr zu personellen Änderungen: Clemens Zipse, der Initiator und langjährige Chef des Unternehmens, scheidet aus und gründet mit dem Sternekoch Alfons Schuhbeck das Spiegelzelt Schuhbecks Teatro, das im Herbst 2008 erstmals in München eröffnet.

Im Sommer 2008 muss der Berliner Wintergarten Insolvenz anmelden, spielt aber zunächst weiter. Die neuen Programmkonzepte nach der Übernahme 2007 haben nicht den erhofften Erfolg gehabt. Trotz intensiver Bemühungen um den Fortbestand des Betriebs muss das Haus am 31. Januar 2009 endgültig schließen.

Eine positive Entwicklung nimmt die GOP Entertainment-Group, unter dessen Dach Anfang September in München ein fünftes GOP-Varieté eröffnet.

2009
Im ehrwürdigen Hansa-Theater gehen am 15. Januar 2009 nach acht Jahren Schließungszeit erneut die Lichter an. Die Betreiber des Hamburger St. Pauli-Theaters haben es angemietet, holen sich Beratung und Unterstützung vom Tigerpalast und starten ihr neues Programm unter dem Motto: „Das Comeback einer Legende“.

Am 31. Januar 2009 schließt der Berliner Wintergarten. Zunächst bleibt unklar, was aus dem Theater wird. Dann mietet es die Deutsche Entertainment AG, die im Herbst eine New Burlesque-Show präsentiert, die zuvor schon im Stuttgarter Friedrichsbau erfolgreich gelaufen war. Ende des Jahres 2009 entschließt sich der Besitzer der Immobilie, künftig das Haus in eigener Verantwortung zu bespielen. Als Direktor verpflichtet er den langjährigen Leiter Georg Strecker. Am 30. Juni 2009 schließt der Kasseler Starclub seine Pforten in der Kurfürsten-Galerie. Der Mietvertrag läuft aus. Götz Ohlendorf findet jedoch schnell eine zunächst provisorische Ersatzspielstätte. Auch das Hamburger Hansa-Theater geht nach einer erfolgreichen ersten Testphase im Herbst 2009 erneut an den Start, dieses Mal für die ganze Wintersaison.

2010
Die Wirtschaftskrise stehen die Varieté-Unternehmen insgesamt erstaunlich gut durch. Gravierende, flächendeckende Nachfrageeinbrüche treten erfreulicherweise nicht auf.

Am 29. Januar eröffnet der Wintergarten unter der neuen/alten Direktion. Und auch der Starclub zieht am 12. März erneut in sein früheres Domizil in der Goethestraße.

Im Sommer lobte der VDVT erstmalig einen eigenen Artistenpreis aus. Verliehen wurde er im Rahmen des SOLyCIRCO auf Sylt an Chu Chuan-Ho.

2011
Zum 1. April 2011 schied Thomas Schütte aus der Geschäftsführung von Roncalli´s Apollo Varieté aus. Seit der Gründung des VDVT 2003 gehörte er dem Präsidium an.

Im Rahmen des SOLyCIRCO auf Sylt verliehen die Mitglieder des VDVT den Artistenpreis des Verbandes an Enrico Annaev.

2012
Zum 1. Januar 2012 schied John Kirkness aus Roncalli´s Apollo Varieté aus. Sein Nachfolger wird Ruud Steenhuisen. Die GOPs künden für den Herbst 2013 die Eröffnung einer neuen, zusätzlichen Spielstätte in Bremen an.

Den Artistenpreis des VDVT verliehen die Mitglieder im Rahmen des European Youth Circus-Festivals in Wiesbaden an Charlotte & Saphorine.

Volker Brümmer scheidet aus dem Chamäleon aus, Hendrik Frobel übernimmt die Geschäftsleitung.

Die GEMA kündigt eine drastische Erhöhung der Tarife an. Die Verbandsmitglieder sehen eine existenzgefährdende Situation auf sich zukommen und fordern die GEMA zu Verhandlungen über eine gemeinsam getragene Reform des Varietétarifs auf. Auch die anderen Musiknutzer in Deutschland wehren sich.

Insgesamt war es ein Jahr der Jubiläen: Das Varieté et cetera feierte das 20-jährige Bestehen, ebenso das GOP Hannover und der Wintergarten in Berlin, das Apollo Theater konnte auf 15 erfolgreiche Spielzeiten zurückblicken.

Zum Jahreswechsel kündigte die landeseigene L-Bank in Stuttgart den langjährigen Sponsorenvertrag mit dem Friedrichsbau. Damit ist der Fortbestand des Varietés bedroht.

2013
In Stuttgart wird um den Erhalt des Friedrichsbaus gekämpft. Nachdem die L-Bank auch den Mietvertrag für die Rotunde zum Ende des Jahres kündigte, steht die Existenz des Unternehmens zur Disposition. Im Laufe des Jahres kann das Varieté jedoch so viel Unterstützung organisieren, dass für 2014 der Umzug in eine neue Spielstätte verabredet wird.

Vor dem Hintergrund der angekündigten Tariferhöhungen beginnt der VDVT zum Jahreswechsel Verhandlungen mit der GEMA, die sich als ausnehmend schwierig erweisen. Für den Verband, an dessen Seite sich auch der Berliner Friedrichstadtpalast gesellt, gilt es, die betriebswirtschaftlich kaum zu verkraftenden Steigerungen abzuwenden. Erstmals seit Jahrzehnten wird intensiv über die angemessene Vergütung von Musiknutzung im Varieté diskutiert. Die Verhandlungen ziehen sich hin.

Am 8. September eröffnet in Bremen ein neues GOP seine Pforten, erstmals in einem Gebäude, das speziell nach den Ideen des Unternehmens gebaut wurde. Innerhalb der GOP Entertainment Group handelt es sich um die sechste Spielstätte, die man betreibt. Die GOPs sind zweifellos das erfolgreichste Unternehmen auf dem deutschen Markt.

Nach 10-jähriger Leitungstätigkeit verzichtete Wolfgang Jansen auf eine erneute Amtszeit als Präsident des VDVT. Stattdessen wurde Robert Mangold gewählt. Jansen übernahm die neugeschaffene Position eines Schriftführers im Präsidium.

2014
Zum Jahresanfang werden das Berliner Tipi und die Bar jeder Vernunft Mitglieder im VDVT. Auch wenn deren Programme kaum den üblichen akrobatisch dominierten Aufführungen entsprechen, sieht sich das Unternehmen im Varietéverband doch am besten vertreten.

Die Verhandlungen des VDVT mit der GEMA über die Schaffung eines eigenen Tarifes halten an. Langsam nähern sich die Positionen beider Seiten an. Eine Verabschiedung des neuen Tarifes zum 1. Januar 2015 wird immer wahrscheinlicher.

Auch in 2014 treten personelle Veränderungen auf. Im Sommer verlässt Ruud Steenhuisen nach nur anderthalb Jahren Roncalli's  Apollo Varieté wieder. Seine Nachfolgerin wird Katharina Jegg, die zuvor lange Jahre im Kreuzfahrtgeschäft tätig gewesen war.

Erfreulich verläuft die Entwicklung in Stuttgart: Dort wird im Laufe des Sommers und Herbst die neue Spielstätte des Friedrichsbaus errichtet. Am 4. Dezember findet die feierliche Eröffnung statt.

Den Artistenpreis des VDVT verliehen die Mitglieder im Rahmen des European Youth Circus-Festivals in Wiesbaden an Solvejg Weyeneth.

2015
Zum Jahresanfang trat der Berliner Friedrichstadtpalast dem Verband bei. Auch wenn die aktuellen Produktionen kaum den üblichen akrobatisch dominierten Aufführungen entsprechen, steht das Haus dennoch in der Tradition des Varietés und sieht sich zudem im Varietéverband am besten vertreten. Im Laufe des Jahres wurden weiterhin das Hansa-Theater Hamburg und die Palazzos Spiegelzelte im VDVT aufgenommen.

Die Verhandlungen des VDVT mit der GEMA konnten endlich zu einem erfreulichen Abschluss geführt werden. Erstmalig gibt es somit einen Gesamttarifvertrag für die deutsche Varietébranche, der beiden Organisationen eine akzeptable Grundlage bietet. Der Gesamtvertrag trat rückwirkend zum 1. Januar 2015 in Kraft, er hat eine Gültigkeit von drei Jahren, die Höhe der GEMA-Sätze orientiert sich an den tatsächlich erzielten Ticketerlösen in den Unternehmen und berücksichtigt erstmals die spezielle Nutzung der Musik bei Varietéaufführungen.

Die damit einhergehende Beruhigung hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven der Theater drückte sich in der Ankündigung der GOP Entertainment Group aus, im nächsten Jahr eine weitere Spielstätte im Zentrum von Bonn eröffnen zu wollen. Die Kapazität des geplanten Neubaus wird rund 360 Plätze betragen. In der GOP Entertainment Group werden dann sieben Bühnen mit insgesamt mehr als 2.000 Plätzen zusammengeschlossen sein.

2016
Der erfreuliche Trend hinsichtlich der Verbandsmitglieder setzte sich durch den Beitritt von Schubeck´s teatro München fort.

Mitte Juni schloss in Kassel der Starclub aufgrund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Spielstätte wurde von Gerrit Bamberger und Jörg Heckmann übernommen und am 22. September unter dem Namen Palais Hopp neu eröffnet.

Zwei Wochen zuvor, am 4. September, hatte bereits das neue GOP in Bonn seine Eröffnung feiern können.

2017
Der erfreuliche Trend hinsichtlich der Verbandsmitglieder setzte sich durch den Beitritt des Europa-Parks Rust zum 1. Januar fort.

Mitte des Jahres nahm der Verband Kontakt zur GEMA auf, da der bestehende Gesamttarifvertrag zum 1. Januar 2018 ausläuft. Leider verliefen die Gespräche wenig erfreulich, so dass der VDVT zum Jahresende die Verhandlungen als gescheitert erklären musste. Man konnte sich immerhin auf eine Verlängerung des bisherigen Tarifs für 2018 einigen. Doch im neuen Jahr steht der Gang vor die Schiedsstelle an.

Das Varieté lebt also, trotz allen Auf-und-Abs. Jedes Haus besitzt konzeptionell seine eigene Farbe, eigene Atmosphäre und seinen eigenen Stil der Präsentation. Sie alle sind Privatbetriebe, ökonomisch abhängig vom Vergnügen, das sie den Zuschauern bereiten. Wie groß der Bedarf seitens des Publikums ist, und wie geschickt die einzelnen Unternehmen mit den Bedürfnissen ihrer Gäste umzugehen verstehen, davon gibt die bisherige Entwicklung einen beredten Eindruck.

Fassung: April 2018 © Wolfgang Jansen
Abdruck der Grafiken mit Genehmigung der jeweiligen Spielstätten.

Zum Weiterlesen empfohlen:

Wolfgang Jansen:
Das Varieté, Die Geschichte einer unterhaltenden Kunst. Berlin 1990. (vergriffen, nur noch antiquarisch oder in Bibliotheken)


Wolfgang Jansen:
Varieté heute, Das Handbuch. Berlin 1993.
(vergriffen, Rest-Exemplare über den VDVT zu beziehen)


Anja Busse:
Saltos, Stars und Sekt auf Marken, Krystallpalast Varieté Geschichten. Leipzig 1998. (direkt über den Krystallpalast zu beziehen)

Sabine Börchers:
Die Kunst der Balance, 25 Jahre Tigerpalast in Frankfurt.
Frankfurt/M. 2014.


Das Variete Das Variete heute Leipzig 25 Jahre Tigerpalast

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